Was fest ist kann nicht schwingen!

Nov 19, 2017

Die Basis für Balance ist das mitschwingen mit den Bewegungen des Pferdes. Ein geübter Reiter bemerkt bei seinem Pferd jede Unregelmäßigkeit in der Bewegung. Das Pferd biegt sich rechts besser als links, es entwickelt hinten links weniger Schub als rechts, oder, oder, oder…

Blockaden, Verspannungen, Schmerzen, alles was fest ist schwingt nicht mit und verursacht Störungen des Gleichgewichts. Werden die Pferde entsprechend behandelt, sind die Bewegungen wieder möglich.

Das Gleiche gilt für den Reiter! Wir können den Bewegungen unseres Pferdes nur soweit folgen, wie unser Körper dazu in der Lage ist. Unser Pferd nimmt unsere Blockaden, Verspannungen und Bewegungseinschränkungen genauso unangenehm wahr. Auch wir verursachen Störungen im Gleichgewicht. Außerdem werden unsere aktiven Bewegungen, das heißt unsere Hilfen unkoordinierter. Damit geben wir unserem Pferd oft unbewusst entweder undeutliche oder sogar schlichtweg falsche Informationen und wundern uns über die Reaktion.

Ein Pferd mit einem blockierten ISG auf der rechten Seite kann nur schwer Last auf dem rechten Hinterbein aufnehmen. Auf der rechten Hand kann es zwar gut angaloppieren, da hier die Last auf dem äußeren, also linken Hinterbein liegt, der Übergang zum Trab allerdings fällt dem Pferd schwer, denn jetzt liegt die Last auf dem rechten inneren Hinterbein. Auf der linken Hand ist es entsprechend genau anders herum. Das Pferd hat in diesem Fall die Probleme nicht nur unter dem Sattel. Sie werden auch an der Longe oder beim Freilaufen deutlich.

Ist das ISG des Reiters auf der rechten Seite blockiert, kann das Becken rechts der Bewegung nicht gut folgen. Die Galopphilfe für den Rechtsgalopp ist eine leichte Gewichtsverlagerung nach rechts. Korrekt ausgeführt rollt der Reiter das Becken schräg nach vorne Richtung rechts Knie ohne Ausweichbewegungen. Das rechte Knie sinkt nach unten, das Bein wird länger. Gleichzeitig sorgen die schrägen Bauchmuskeln dafür, dass die linke Schulter nach vorne gezogen wird, so dass der Reiter geschlossen sitzen bleibt. Ist das ISG blockiert kann der Reiter die Hilfe nicht korrekt ausführen. An Stelle der korrekten Hilfe knickt der Reiter vielleicht in der Hüfte ab um das Gewicht nach rechts zu bringen. Dadurch schiebt sich die linke Schulter zurück, der Reiter sitzt offen gegen die Bewegung des Pferdes. Oder der Reiter bringt das Gewicht nach rechts in dem er „in den rechten Steigbügel tritt“. Dadurch schiebt der Reiter sein Gewicht aber nach links. In beiden Fällen wird das angaloppieren für das Pferd schwer bis unmöglich.

Die Ursache für Probleme beim Angaloppieren kann also sowohl beim Reiter als auch beim Pferd liegen.

Die Bewegungen von Reiter und Pferd sind Komplex und werden durch viele Komponenten beeinflusst. Neben der Anatomie, Physiologie, Neurophysiologie und Biomechanik spielen Psyche, Umfeld ebenso wie Erfahrungen und Erwartungen eine wichtige Rolle. Selbst unpassende Kleidung kann Probleme verursachen. Bei der Ausbildung muss natürlich immer das gesamte System betrachtet werden.