Balance – der Kampf ums Gleichgewicht

Okt 12, 2017

Überall wird über die Balance bzw. das Gleichgewicht geredet, aber wie funktioniert das eigentlich?

Jedes Lebewesen strebt instinktiv danach im Gleichgewicht zu bleiben. Dazu benutzt der Körper verschiedene Informationen von unterschiedlichen Organen. Das Gleichgewichtsorgan oder vestibuläre System liegt im Innenohr. Verschieden Sensoren geben dem Nervensystem ständig Informationen über die Lage des Körpers im Raum, über Bewegung und Beschleunigung. Gleichzeitig erhält das Gehirn Informationen von den Augen vom Rückenmark und vom Kleinhirn. Das vestibuläre System ist direkt mit den Augenmuskeln verschaltet, so dass wir ein stabiles Bild unserer Umgebung trotz Kopfbewegung haben. Parallel dazu hat das Gehirn ständig aktuelle Informationen über die Spannung in jedem einzelnen Muskel. All diese Informationen werden verarbeitet und wieder an die Muskulatur weitergeleitet.

Man unterscheidet statisches und dynamisches Gleichgewicht. Das statische Gleichgewicht brauchen wir z.B. beim Stehen (versucht es mal auf einem Bein ;-)) Das dynamische Gleichgewicht brauchen wir in Bewegung. Hier gibt es eine weitere Unterscheidung, die besonders für Reiter interessant ist.

Aktives dynamisches Gleichgewicht brauchen wir, wenn wir unseren Körper bewegen, z.B. beim Laufen oder Tennis spielen.

Passives dynamisches Gleichgewicht brauchen wir, wenn wir bewegt werden, z.B. beim Rodeln.

Beim Reiten haben wir eine besondere Situation. Wir benötigen beide Arten von Gleichgewicht. Wir müssen uns passiv im Gleichgewicht von den Bewegungen unseres Pferdes bewegen lassen. Gleichzeitig ist unsere Kommunikation mit dem Pferd eine (möglichst minimale) aktive Bewegung, die ebenfalls im Gleichgewicht stattfinden soll. Das Pferd steht vor der gleichen Herausforderung. Es ist ebenfalls instinktiv bemüht sein Gleichgewicht in der Bewegung zu halten und muss sich gleichzeitig durch uns bewegen und formen lassen.

Kann Reiter oder Pferd den Bewegungen des anderen nicht folgen, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht. Die Folge sind Verspannungen, Schmerzen und Widersetzlichkeit, Lektionen die einfach nicht mehr klappen bis hin zum Sturz des Reiters oder des Pferdes samt Reiter.

Hier einige Tipps für viel Spaß beim Reiten:

Vorab kurz überlegen: Wer von beiden hat die größeren Einschränkungen, Reiter oder Pferd? Haben sie ein junges, ein unausbalanciertes, ein altes oder ein konditionell schwaches Pferd? Sind sie Reitanfänger oder haben körperliche Einschränkungen? Ist einer von beiden nicht fit oder heute schlecht drauf? 

Passen sie sich beim Reiten immer den Möglichkeiten des Schwächeren an, so vermeiden sie Überforderung.

Lassen sie sich regelmäßig von einem fachkundigen Reitlehrer unterstützen. Egal ob Anfänger oder Profi, jeder braucht den Blick von außen. Fachkundige Reitlehrer aller Sparten korrigieren Fehler und unterstützen die schonende Ausbildung von Pferd und Reiter.

Arbeiten Sie mit Plan: Überlegen Sie welches Ziel Sie beim Reiten erreichen wollen. Freizeit, Gelände, Dressur oder Springen – erarbeiten Sie sich mit ihrem Trainer einen Plan wie sie ihre individuellen Ziele erreichen.

Unterstützen Sie eine harmonische Bewegung: Lassen sie sich und ihr Pferd in regelmäßigen Abständen osteopathisch betreuen.